Bavarian Speed: Drei Jahre nach dem Bürgerentscheid läuft das BMW Werk

Bavarian Speed: Drei Jahre nach dem Bürgerentscheid läuft das BMW Werk
Bild: Andreas Körber

Vor drei Jahren wurde in Straßkirchen noch leidenschaftlich über die BMW-Ansiedlung diskutiert. Heute steht zwischen Irlbach und Straßkirchen ein hochmodernes Batteriewerk, in das rund eine Milliarde Euro investiert wurden und in dem die Produktion bereits läuft. Bei der offiziellen Eröffnung wurde deutlich, dass in Deutschland vieles schwieriger geworden ist. Das Projekt zeigt aber auch, dass große Industrievorhaben noch funktionieren können, und zwar erstaunlich schnell.

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass es hier völlig anders aussah. Im September 2023 blickte die gesamte Region nach Straßkirchen, denn beim Bürgerentscheid ging es um eine der wohl weitreichendsten Entscheidungen in der jüngeren Geschichte der Gemeinde: Soll BMW sein geplantes Werk zwischen Straßkirchen und Irlbach errichten können? Mehr als 75 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sprachen sich damals bei einer Wahlbeteiligung von über 77 Prozent für die Ansiedlung aus.

Auch wir gehörten damals zu einer Gruppe aus der Region, die sich öffentlich für das Werk eingesetzt hat. Nicht, weil man bei einem Projekt dieser Größenordnung keine kritischen Fragen stellen dürfte, ganz im Gegenteil. Wir waren aber überzeugt, dass die Chancen für Straßkirchen, Irlbach und die gesamte Region außergewöhnlich groß sind. Am heutigen Donnerstag konnte man nun erstmals richtig sehen, was aus dieser Entscheidung geworden ist, denn das BMW Group Werk Irlbach-Straßkirchen wurde offiziell eröffnet.

Wo vor wenigen Jahren noch Acker war, läuft heute Hightech-Produktion

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Wo vor wenigen Jahren noch landwirtschaftliche Flächen lagen, steht heute ein Industriekomplex von gewaltigen Dimensionen. Nach eigenen Angaben hat BMW allein in diesen Standort rund eine Milliarde Euro investiert, im Endausbau sollen hier rund 1.600 Menschen arbeiten. Produziert werden Hochvoltbatterien der neuesten Generation für die Neue Klasse von BMW.

Beim Rundgang durch das Werk wird schnell klar, dass es um weit mehr als eine große Produktionshalle geht. Insgesamt wurden rund 150.000 Quadratmeter Fläche geschaffen, davon etwa 83.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für die Produktion. Hinzu kommen Logistikflächen, Labore, Analysezentren, Bürobereiche, eine eigene Werkfeuerwehr, eine Energiezentrale und ein Betriebsrestaurant. Allein in einer zentralen Versorgungstrasse wurden rund 60 Kilometer Rohre und Kabel verlegt.

Auf dem Dach entsteht eine Photovoltaikanlage mit rund sechs Megawatt Peak. Regenwasser wird gesammelt, aufbereitet und unter anderem für die WC-Anlagen genutzt. Für die Wärmeversorgung braucht der Standort weder Öl noch Gas, stattdessen wird unter anderem die Abwärme der Produktionsanlagen verwendet. Von außen lassen sich diese Dimensionen kaum erfassen.

Von der Genehmigung zur Produktion in weniger als zwei Jahren

Ein Begriff fiel während der Veranstaltung immer wieder: Bavarian Speed. Was zunächst nach einem gelungenen Marketingbegriff klingt, beschreibt ziemlich treffend, was hier passiert ist. Von der Genehmigung bis zu den ersten Vorserienbatterien vergingen weniger als zwei Jahre. Die Projektverantwortlichen erzählten bei der Eröffnung selbst, dass sie den ursprünglichen Terminplan anfangs für kaum machbar gehalten hätten. Ihr Motto lautete sinngemäß „Mission Impossible possible machen“, und genau das ist gelungen.

Die Bauarbeiten liefen teilweise unter enormem Zeitdruck. Starkregen, Gewitter und eine zeitweise unter Wasser stehende Baustelle gehörten ebenso dazu wie mehrere Tausend Menschen, die gleichzeitig auf dem Gelände arbeiteten. Trotzdem blieb das Projekt im Zeitplan. Das ist gerade in einer Zeit bemerkenswert, in der bei fast jedem größeren Vorhaben in Deutschland zuerst über Bürokratie, Verzögerungen und komplizierte Genehmigungsverfahren gesprochen wird.

Ein ungewöhnlich positives Signal

Dieser Gedanke zog sich auch durch die Reden bei der Eröffnung. BMW-Produktionsvorstand Raymond Wittmann machte deutlich, dass der neue Standort weit mehr ist als ein weiteres Werk im Produktionsnetzwerk des Unternehmens. Seine zentrale Botschaft war, dass Zukunftstechnologien weiterhin in Deutschland entwickelt und industriell produziert werden können. Voraussetzung dafür seien allerdings wettbewerbsfähige Standortbedingungen, schnellere Prozesse und ein gemeinsamer Wille von Unternehmen, Politik und Gesellschaft. Irlbach-Straßkirchen sei ein Beispiel dafür, dass genau das möglich ist.

Auch Ministerpräsident Markus Söder griff diesen Gedanken auf, wenn auch deutlich politischer. In seiner Rede ging es vor allem um die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands: China und die USA hätten bei Technologie, Geschwindigkeit und Investitionen massiv aufgeholt, und Deutschland könne diesen Wettbewerb nicht über niedrigere Preise gewinnen, sondern müsse technologisch besser sein. Das neue Werk sei deshalb ein wichtiges Signal. Beim Blick auf die Anlage fand Söder dann auch eine etwas weniger staatsmännische Formulierung und sagte schlicht: „Das ist richtig geil.“ Das sorgte für Gelächter im Saal, traf die Stimmung des Tages aber ziemlich gut.

Nicht alles läuft schlecht

Vielleicht war genau das der interessanteste Eindruck dieser Veranstaltung. Seit Jahren lesen und hören wir fast täglich, was in Deutschland alles nicht mehr funktioniert: zu viel Bürokratie, zu hohe Energiepreise, zu langsame Genehmigungen, zu wenig Digitalisierung und zu wenig Geschwindigkeit. Viele dieser Probleme sind real, und sie wurden auch bei der Eröffnung nicht kleingeredet.

Trotzdem steht heute zwischen zwei niederbayerischen Gemeinden ein komplett neues Hightech-Werk, in das ein internationaler Konzern rund eine Milliarde Euro investiert hat und das innerhalb weniger Jahre geplant, genehmigt und gebaut wurde. Menschen aus der Region finden hier neue Arbeitsplätze, hier wird Technologie für die nächste Generation von Elektrofahrzeugen produziert, und erneuerbare Energien, Automatisierung, Digitalisierung und moderne Produktionsprozesse kommen an einem Standort zusammen. Man kann über vieles diskutieren, aber dieses Projekt zeigt ziemlich eindrucksvoll, dass es noch geht.

Der Bürgerentscheid gehört zur Geschichte dieses Werks

Bei aller Euphorie sollte man nicht vergessen, wie kontrovers die Diskussion 2023 teilweise geführt wurde. Flächenverbrauch, Verkehr, Landwirtschaft und die langfristigen Auswirkungen eines solchen Großprojekts auf die Region waren berechtigte Themen. Gerade deshalb war der Bürgerentscheid so wichtig, denn am Ende haben die Bürgerinnen und Bürger selbst entschieden, und zwar deutlich.

Drei Jahre später muss man erstmals nicht mehr über Pläne, Versprechen oder mögliche Auswirkungen sprechen. Das Werk steht, die Produktion läuft, und die Region kann nun beobachten, wie sich die damalige Entscheidung tatsächlich auswirkt. Für alle, die sich damals für die Ansiedlung eingesetzt haben, war die Eröffnung deshalb ein besonderer Moment. Nicht, weil damit jede Diskussion von damals automatisch beendet wäre, sondern weil aus einer Idee, über die 2023 noch heftig gestritten wurde, in kürzester Zeit Realität geworden ist.

Ein Stück Zukunft mitten in Niederbayern

Am Ende der Rundfahrt fährt der Bus wieder hinaus auf das Gelände. Neue Bäume wurden gepflanzt, Fassaden begrünt, und das Betriebsrestaurant wurde mit Holz aus heimischen Beständen gebaut. Daneben stehen Feuerwehrfahrzeuge, Logistikzentren und gewaltige Produktionshallen. Alles wirkt neu und fast ein wenig surreal, wenn man noch weiß, wie es hier vor wenigen Jahren ausgesehen hat.

Was aus diesem Standort in zehn oder zwanzig Jahren geworden sein wird, kann heute niemand seriös vorhersagen. Nach diesem Tag lässt sich aber durchaus sagen, dass die Entscheidung vom September 2023 die Region verändert hat. Und möglicherweise beginnt die eigentliche Geschichte des BMW Werks Irlbach-Straßkirchen gerade erst. Bavarian Speed eben.

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