Das Haserl und der Behördenakku

Das Haserl und der Behördenakku
Bild: KI generiert

In Oberschneiding sind sie tatsächlich losgelaufen. Das muss man heutzutage dazusagen. Es gab beim siebten ILE-Gäubodenlauf am 27. September einen Start, eine Strecke und ein Ziel. Und die Leute haben diese drei Dinge in der vorgesehenen Reihenfolge benutzt. Ohne vorher eine Arbeitsgruppe einzusetzen.

Die erfreuliche Beteiligung auf den Strecken und das Publikum drumherum haben mir gefallen. Kinder, Läufer, Walker, dazu die Menschen, die anfeuern und mithelfen: Da bewegt sich eine Gegend gemeinsam. Die einen bringen ihre Ausdauer mit, die anderen ihre Zeit. Beides braucht’s, damit so ein Tag gelingt. Und weil es ein Benefizlauf ist, kommt die ganze Anstrengung auch noch anderen zugute.

Ich hab natürlich von oben zugeschaut. Als Vogel muss ich meine Knie schonen. Außerdem bin ich beim Sport besonders ausdauernd, solange ihn jemand anderes betreibt.

Ein paar Tage später ging der Blick nach Irlbach und Straßkirchen. Am 1. Oktober hat BMW dort das neue Werk eröffnet und die Serienproduktion gestartet. Zweieinhalb Jahre nach Baubeginn werden Hochvoltbatterien für die Neue Generation, so nennt’s BMW geliefert. Da steht also etwas, und es arbeitet. Das darf einen freuen, ganz ohne dass man sich dafür zuerst eine Genehmigung zum Optimismus holen muss.

Die Batteriezellen werden angeliefert und im Werk zu großen Hochvoltbatterien zusammengesetzt. Viele kleine Energiespeicher ergeben gemeinsam etwas, das ordentlich vorwärtsbringt. Eigentlich ein schöner Gedanke. Man könnte ihn bei Gelegenheit auch einmal mit Zuständigkeiten versuchen.

Die neue Technik soll den Autos mehr Ausdauer geben. Weiter fahren, schneller nachladen. Da ist mir das Duracell-Haserl eingefallen. Dieses rosa Viecherl aus der alten Werbung, dem einfach der Saft nicht ausgegangen ist. Alle anderen waren schon fertig, und das Haserl hat weitergemacht.

Läuft und läuft und läuft.

Jetzt bin ich kein Batterieingenieur. Ich weiß bloß: Wenn etwas lange läuft, möchte ich irgendwann auch sehen, dass es wo ankommt.

Damit wären wir bei der B8-Ortsumgehung von Straßkirchen.

Für die kämpfen die Menschen seit Jahrzehnten. Wer dort auf Entlastung vom Durchgangsverkehr wartet, hat seine Langstreckentauglichkeit längst bewiesen. Ohne Funktionsshirt und ohne Medaille. Dafür mit Lastwagen vorm Fenster.

Noch 2026 soll das Planfeststellungsverfahren beginnen. Das ist das Verfahren, in dem das Straßenprojekt rechtlich geprüft und über seine Zulassung entschieden wird. Es ist ein wichtiger Schritt. Bloß fährt auf einem wichtigen Schritt noch kein Lastwagen um den Ort herum.

Planfeststellungsdingsbums, hätte ich beinahe gesagt. Aber man soll ja die Begriffe ordentlich lernen. Wenn man lange genug wartet, hat man schließlich Zeit für eine Verwaltungsausbildung.

Mit dem Wort Rekordtempo wäre ich bei so einer Geschichte vorsichtig. Beim Gäubodenlauf beginnt die Zeitmessung am Start. Bei politischen Vorhaben muss man offenbar genauer schauen, welchen Start man meint. Den ersten Wunsch? Die erste Planung? Den jüngsten Planungsschritt? Wer die Stoppuhr spät genug einschaltet, hat erstaunlich frische Bestzeiten.

Freilich ist eine Straße keine Werkhalle. Grundstücke, Anwohner, Natur und Rechte lassen sich nicht einfach zur Seite schieben. Das soll auch niemand. Aber die Wartezeit der Menschen gehört trotzdem zur Geschichte. Die verschwindet nicht, bloß weil ein neuer Verfahrensabschnitt beginnt.

Vielleicht könnte BMW einen Akku für solche Vorhaben entwickeln. Einen, der die Energie bis zur Fertigstellung liefert. Mit einer Anzeige, auf der man sieht, wie viel vom Weg wirklich geschafft ist. Und einem Warnsignal, sobald wieder nur die Ankündigung aufgeladen wird.

Das wäre auch anderswo im Land brauchbar. Wir haben schließlich genug Dinge, die angeblich laufen, während die Menschen danebenstehen und warten.

In Oberschneiding gab’s im Ziel eine Medaille. Bei BMW kommen Batterien aus dem Werk.

Das Behördenhaserl läuft noch.

Ich würd ihm jetzt einmal das Laufband ausschalten.

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