Muss das wirklich sein? „Szene“-Schriftzug jetzt auch im Straßkirchner Moos
Wer in Straubing und im Landkreis Straubing-Bogen unterwegs ist, hat solche Schriftzüge vermutlich schon einmal gesehen. An Brücken, Strom- und Verteilerkästen, Mauern und anderen Stellen tauchen immer wieder Tags mit Bezug zur Straubinger Fanszene auf.
Nun hat es offenbar auch das Straßkirchner Moos erreicht.
Unser Foto entstand am Sonntag im Straßkirchner Moos. Mitten in der Landschaft steht dort eine Informationstafel und quer über deren oberen Bereich wurde großflächig ein blauer Schriftzug gesprüht.
Und da stellt sich durchaus die Frage: Muss das wirklich sein?
Dass Fußball- und Eishockeyfans ihre Farben zeigen, Aufkleber verwenden oder ihre Verbundenheit mit einem Verein und einer Fanszene ausdrücken wollen, gehört für viele zur Fankultur. Die Szene Straubing selbst versteht sich als aktive Fangruppierung der Straubing Tigers und ist seit vielen Jahren rund um den Pulverturm aktiv. Dabei engagiert sich die Gruppe durchaus auch sozial: Erst Anfang dieses Jahres wurden nach eigenen Angaben mehr als 15.000 Euro für drei gemeinnützige Organisationen aus der Region gesammelt.
Aber wo hört Fankultur auf und wo beginnt schlicht Sachbeschädigung?
Gerade sogenannte „Tags“ haben innerhalb der Graffiti-Kultur eine besondere Funktion. Sie dienen vor allem dazu, einen Namen oder eine Gruppe möglichst häufig sichtbar zu machen – gewissermaßen als Zeichen: Wir waren hier. Entsprechend finden sich solche Markierungen bevorzugt an gut sichtbaren oder ungewöhnlichen Stellen. Kommunale Fachmedien beschreiben Tags ausdrücklich als Kennzeichnungen, mit denen Sprayer ihre Präsenz anzeigen.
Vielleicht erklärt das, warum solche Schriftzüge verbreitet werden. Eine Rechtfertigung dafür ist es nicht.
Denn eine Informationstafel im Straßkirchner Moos ist weder eine dafür vorgesehene Graffiti-Fläche noch eine Fankurve. Sie steht dort, um Spaziergängern und Radfahrern Informationen über die Landschaft und ihre Umgebung zu vermitteln.
Und am Ende bleibt noch etwas, das bei solchen Aktionen gerne vergessen wird: Jemand muss die Schmiererei wieder beseitigen.
Befindet sich die betroffene Fläche im Eigentum einer Kommune oder eines anderen öffentlichen Trägers, entstehen durch Reinigung, Reparatur oder gegebenenfalls Ersatz Kosten. Und öffentliche Mittel kommen letztlich von uns allen. Aus einem vermeintlich schnellen Schriftzug mit der Spraydose wird damit eine Rechnung, die nicht der Verursacher, sondern im Zweifel die Allgemeinheit bezahlt.
Unerlaubtes Graffiti kann zudem rechtlich als Sachbeschädigung verfolgt werden. Auch Kommunen weisen darauf hin, dass ohne Zustimmung der Eigentümer angebrachte Tags und Graffiti Sachbeschädigungen darstellen können.
Dabei zeigt gerade die Szene Straubing selbst, dass Fankultur auch anders funktionieren kann. Die Gruppe unterstützt soziale Projekte, organisiert Aktionen rund um die Straubing Tigers und beteiligte sich beispielsweise sogar finanziell an den besonderen „Bruder Straubinger“-Ampelmännchen in der Stadt.
Umso weniger verständlich sind Schriftzüge wie der im Straßkirchner Moos.
Ob dieser tatsächlich von Mitgliedern der Szene Straubing angebracht wurde, lässt sich anhand des Schriftzuges selbstverständlich nicht feststellen. Ein Schriftzug allein ist kein Beweis für den Verursacher.
Die Botschaft sollte trotzdem klar sein:
Fankultur, Leidenschaft und die Verbundenheit mit den Straubing Tigers – sehr gerne. Aber fremdes oder öffentliches Eigentum mit Schriftzügen zu versehen, hat damit nichts zu tun.
Und irgendwo draußen im Straßkirchner Moos muss wirklich nicht auch noch jemand markieren, dass er einmal da war.
