Ortsumgehung B8 im Mittelpunkt der Gemeinderatssitzung
Der Zuhörerraum war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Straßkirchner Gemeinderat am 27. Juli zu seiner öffentlichen Sitzung zusammenkam. Das mit Abstand größte Interesse galt dem aktuellen Planungsstand zur Ortsumgehung der B8. Daneben beschäftigte sich das Gremium mit mehreren Bauvorhaben, der Bestellung eines Seniorenbeirats, den Auswirkungen der Bahnsanierung und verschiedenen Investitionen.
Vertreter des Staatlichen Bauamts Passau stellten die bisherigen Planungen für die Ortsumgehung ausführlich vor. Das Vorhaben wurde bereits 2003 in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Seit 2021 wird es als sogenanntes BIM-Pilotprojekt geplant. Dabei entsteht ein digitales Modell, in dem unter anderem der Straßenverlauf, Bauwerke, Geländedaten und weitere Planungsinformationen zusammengeführt werden.
Nach der Untersuchung mehrerer möglicher Streckenführungen hatte sich der Gemeinderat Ende 2023 für die Südvariante 6 ausgesprochen. Inzwischen wurden unter anderem Verkehrszählungen, Umwelt- und Artenschutzuntersuchungen sowie Baugrunderkundungen durchgeführt. Zudem gab es Gespräche mit Behörden, Grundstückseigentümern und der Landwirtschaft.
Laut Verkehrsgutachten könnte die Umgehungsstraße den Ortskern deutlich entlasten. Je nach Straßenabschnitt soll der Verkehr um mehr als die Hälfte zurückgehen. Bei den Berechnungen wurde auch das bis zum Jahr 2040 erwartete Verkehrsaufkommen einschließlich der Auswirkungen des künftigen BMW-Werks berücksichtigt.
Zur Planung gehören auch Geh- und Radwegunterführungen, Lärmschutz- und Ausgleichsmaßnahmen sowie eine Verbesserung der Radwegeverbindungen. Nach den bisherigen Berechnungen wird der nächtliche Lärmgrenzwert lediglich an einem Gebäude um 0,1 Dezibel überschritten. Dort ist passiver Lärmschutz vorgesehen, beispielsweise durch besonders lärmdämmende Fenster. Zusätzliche bepflanzte Erdwälle sollen die Belastung weiter reduzieren. In Paitzkofen und Haberkofen werden die gesetzlichen Grenzwerte laut Planung eingehalten.
Beim benötigten Grunderwerb setzt das Staatliche Bauamt weiterhin auf freiwillige Vereinbarungen, Grundstückstausch und Entschädigungen. Rund 30 Hektar mögliche Tauschflächen stehen zur Verfügung. Die Genehmigung des Vorentwurfs wird für Herbst 2026 angestrebt. Anschließend soll das Planfeststellungsverfahren beginnen. Dieses Verfahren ist vergleichbar mit einem umfassenden Genehmigungsverfahren: Dabei werden alle öffentlichen und privaten Belange geprüft und Betroffene können Einwendungen vorbringen. Nach dem derzeitigen Zeitplan ist der Baubeginn für Herbst 2028 vorgesehen.
Im Baugebiet „Am Wasserwerk BA III“ wurden die neu gebauten Straßen nach einem Ortstermin als Ortsstraßen gewidmet und in die Straßenbaulast der Gemeinde übernommen. Das bedeutet, dass die Straßen nun offiziell für den öffentlichen Verkehr bestimmt sind und künftig die Gemeinde für Unterhalt und Verkehrssicherung verantwortlich ist. Kleinere Restarbeiten muss die ausführende Firma noch erledigen.
Die Lilienstraße erschließt künftig den Edelweiß- und Enzianring, den Lavendel- und Sonnenblumenweg sowie die Mohn- und Magnolienstraße.
Einstimmig bestellte der Gemeinderat einen neuen Seniorenbeirat. Dem Gremium gehören Christine Altmann, Heribert Altmann, Wilhelm Gritsch, Renate Hofmann und Edeltraud Proske an. Der Beirat soll Ansprechpartner für die Anliegen älterer Bürgerinnen und Bürger sein und unter anderem Seniorenfrühstücke, Ausflüge und weitere Gemeinschaftsveranstaltungen organisieren. Über die finanzielle Ausstattung wird im Rahmen der Haushaltsplanung entschieden.
Mehrere Bauangelegenheiten standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Einen Antrag auf Vorbescheid für ein Grundstück im Hiebweg nahm der Gemeinderat zur Kenntnis. Die Aufstellung eines eigenen Bebauungsplans für das Areal wurde mehrheitlich abgelehnt.
Für den geplanten Neubau eines Mehrfamilienhauses mit 14 Wohnungen und 28 Stellplätzen an der Passauer Straße erteilte die Gemeinde ihr Einvernehmen. Damit bestätigt die Gemeinde, dass aus ihrer Sicht keine kommunalen planungsrechtlichen Gründe gegen das Vorhaben sprechen. Die abschließende Prüfung und Genehmigung liegt bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde.
Im Bereich des Bebauungsplans „Hiebäcker II“ stimmte der Gemeinderat außerdem notwendigen Befreiungen für den Bau einer freistehenden Gartensauna zu.
Bürgermeister Andreas Dengler informierte auch über die Kreisumlage. Über diese Umlage beteiligen sich die Gemeinden an der Finanzierung der Aufgaben des Landkreises, beispielsweise bei Schulen, Sozialleistungen, Kliniken oder Kreisstraßen. Für die Gemeinde Straßkirchen beträgt die Kreisumlage im Haushaltsjahr 2026 rund 3,1 Millionen Euro. Das Geld steht damit nicht mehr für eigene Projekte der Gemeinde zur Verfügung und stellt einen bedeutenden Posten im Gemeindehaushalt dar.
Zur Sprache kamen zudem die Belastungen durch die Generalsanierung der Bahnstrecke Obertraubling–Passau. Anwohner der Schafbergstraße hatten sich über starken Lkw-Verkehr beschwert. Eigentlich war vereinbart worden, dass ausschließlich der Feldweg entlang der Bahnlinie als Zufahrt zum Baulager genutzt wird. Aufgrund eines Missverständnisses in der Ausführungsplanung wurde jedoch auch die Schafbergstraße in die Verkehrsführung aufgenommen.
Eine kurzfristige Änderung war nach Angaben der Verwaltung wegen des bereits laufenden Baustellenbetriebs nicht mehr möglich. Mit einer deutlichen Entlastung wurde im Laufe der Kalenderwoche 30 gerechnet. DB InfraGO kündigte außerdem für den Zeitraum vom 27. Juli bis 16. August lärmintensive Ramm-, Signal- und Oberbauarbeiten an.
Bekannt gegeben wurden auch mehrere größere Anschaffungen. Der gemeindliche Bauhof erhält einen neuen Teleskoplader für 113.050 Euro sowie einen Gießarm für 11.524 Euro. Für die Feuerwehr Schambach wird ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug Wasser einschließlich Beladung und Tragkraftspritze angeschafft. Die Gesamtkosten liegen bei rund 394.000 Euro. Der Kindergarten St. Elisabeth erhält für rund 19.000 Euro eine neue Zimmerausstattung.
Fortschritte gibt es bei der Erweiterung der Grund- und Mittelschule Straßkirchen. Nach dem offiziellen Spatenstich am 8. Juli laufen die Arbeiten weiter, erste Baumaßnahmen hatten bereits Ende Mai begonnen. Durch den Anbau entstehen neue Räume für die Mittags- und Ganztagsbetreuung. Die Fertigstellung ist innerhalb der kommenden eineinhalb bis zwei Jahre vorgesehen.
Wie groß der Bedarf ist, zeigen die aktuellen Anmeldezahlen: Für das kommende Schuljahr sind 77 Kinder für die Mittagsbetreuung und 46 Schülerinnen und Schüler für die Ganztagsschule angemeldet.
Zum Abschluss gratulierten Bürgermeister und Gemeinderat den Feuerwehren Straßkirchen und Schambach zu mehreren erfolgreich abgelegten Leistungsprüfungen und dankten den Feuerwehrdienstleistenden für ihr ehrenamtliches Engagement zum Schutz der Bevölkerung.
Quelle: Gemeinde Straßkirchen – Bericht zur Gemeinderatssitzung vom 27. Juli 2026