BMW-Werk Irlbach-Straßkirchen startet am 1. Oktober in die Serienproduktion
Jetzt steht der Termin fest: Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, beginnt im neuen BMW Group Werk Irlbach-Straßkirchen offiziell die Serienproduktion von Hochvoltbatterien. Damit geht eines der größten Industrieprojekte Niederbayerns in den regulären Betrieb.
Ganz bei null beginnt die Produktion im Oktober allerdings nicht. Bereits seit Anfang März läuft die Vorserienproduktion. Dabei werden die Anlagen und Fertigungsabläufe getestet, optimiert und die Beschäftigten auf den späteren Serienbetrieb vorbereitet. Die erste Produktionslinie wurde bereits erfolgreich in Betrieb genommen. Insgesamt sind zwei Linien mit mehreren hundert Stationen und Robotern auf einer Fläche von mehr als 50.000 Quadratmetern vorgesehen.
Wichtig dabei: In Irlbach-Straßkirchen werden keine Batteriezellen hergestellt. Die angelieferten Rundzellen werden im Werk zu kompletten Hochvoltbatterien zusammengesetzt, geprüft und für den Einbau in die Fahrzeuge vorbereitet.
Die Batterien der sechsten Generation, kurz Gen6, sind für die vollelektrischen Modelle der „Neuen Klasse“ bestimmt. Dazu gehört auch der neue BMW i3, dessen Serienproduktion am 6. August im Münchner Stammwerk begonnen hat. Seit März werden in Irlbach-Straßkirchen bereits Vorserien-Batterien für dieses Modell gefertigt. Ab Oktober erfolgt die reguläre Belieferung. Künftig soll der Standort außerdem die BMW-Werke in Dingolfing und Regensburg mit Hochvoltbatterien versorgen.
Die neue Batteriegeneration arbeitet mit 800-Volt-Technologie und neu entwickelten Rundzellen. Nach Angaben von BMW sollen dadurch, je nach Fahrzeugmodell, die Reichweite und die Ladegeschwindigkeit um bis zu 30 Prozent steigen.
Das zentrale Produktionsgebäude umfasst rund 150.000 Quadratmeter. Im Vollbetrieb sollen jährlich bis zu etwa 600.000 Hochvoltspeicher montiert werden. Nach Abschluss der ersten Ausbaustufe sind am Standort rund 1.600 Arbeitsplätze vorgesehen. Ein großer Teil der Beschäftigten kommt aus bereits bestehenden BMW-Werken und bringt Erfahrung aus der bisherigen Batteriefertigung mit. Zusätzlich wurden Ausbildungsplätze für den neuen Standort geschaffen.
Auch bei der Energieversorgung setzt BMW auf ein modernes Konzept. Auf dem Dach des Produktionsgebäudes werden knapp 14.000 Photovoltaik-Module mit einer Leistung von mehr als sechs Megawatt installiert. Der weitere Strombedarf soll vollständig aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden. Fossile Energieträger werden für den Betrieb des Werkes nicht eingesetzt.
Der Weg zum BMW-Werk begann Anfang 2023. Für die Produktion der neuen Hochvoltbatterien benötigte der Konzern einen zusätzlichen Standort in Bayern, da an den bestehenden Werken nicht ausreichend Platz vorhanden war. Gemeinsam mit „Invest in Bavaria“ wurden insgesamt 20 mögliche Flächen untersucht. Durchsetzen konnte sich schließlich das Gebiet zwischen Straßkirchen und Irlbach.
Ausschlaggebend waren unter anderem die Nähe zu den BMW-Werken München, Dingolfing und Regensburg, die gute Verkehrsanbindung, die ebene und zusammenhängende Fläche sowie die Tatsache, dass sich dort keine Natur- oder Wasserschutzgebiete und keine Waldflächen befinden. Ende Februar 2023 erwarb BMW rund 105 Hektar auf den Gemeindegebieten von Straßkirchen und Irlbach.
Die Ansiedlungspläne führten in Straßkirchen zu einer monatelangen und teilweise sehr emotionalen Diskussion. Kritiker warnten vor dem Verlust wertvoller Gäubodenböden, zusätzlichem Verkehr und weiteren Belastungen. Eine örtliche Pro-BMW-Initiative und zahlreiche Befürworter sahen dagegen eine große Chance für Arbeitsplätze, Ausbildung, regionale Wertschöpfung und die Zukunft des Automobilstandortes Niederbayern.
Die Entscheidung fiel schließlich am 24. September 2023. Bei einer außergewöhnlich hohen Wahlbeteiligung von knapp 77 Prozent stimmten mehr als 75 Prozent der Straßkirchner Bürgerinnen und Bürger für das Ratsbegehren und damit für die Ansiedlung des BMW-Werkes.
Anschließend wurden die Planungen durch den gemeinsamen Planungsverband Straßkirchen-Irlbach weitergeführt. Im Januar 2024 schloss die Regierung von Niederbayern das Raumordnungsverfahren grundsätzlich positiv ab. Am 10. April 2024 beschloss der Planungsverband den Bebauungsplan, wenige Tage später erhielt BMW das offizielle Baurecht.
Bereits im April 2024 begannen die Erdarbeiten. Ende Juni startete mit dem Aufstellen der ersten Betonstütze der Hochbau. Nur rund 100 Arbeitstage später standen bereits alle 1.066 Stützen des Produktionsgebäudes. Im Juni 2025 begann der Einbau der Produktionsanlagen, seit März 2026 läuft die Vorserie.
Mit dem offiziellen Start der Serienproduktion am 1. Oktober wird aus einem Vorhaben, das Straßkirchen über Jahre intensiv beschäftigt hat, endgültig ein arbeitendes BMW-Werk – und aus einer kommunalpolitischen Grundsatzentscheidung ein neuer Industriestandort für die gesamte Region.

Bild: BMW Group