Elf Tage Ausnahmezustand und ein Abschied der schmerzt

Elf Tage Ausnahmezustand und ein Abschied der schmerzt
Foto erstellt mit KI

Jetzt ist es also wieder vorbei. Das Gäubodenfest 2026 hat zugesperrt, die Zelte werden abgebaut, und irgendwo in Straubing steht grad ein Mensch mit einem Kater und einer Erkenntnis vor seinem Kühlschrank, der nur noch Rettich und ein halbes Radler enthält. Der Vogel war heuer im Sommerurlaub, was in seinem Fall bedeutet hat: fast täglich am Festplatz, mit bestem Überblick, wie es sich für einen Turmbewohner gehört. Man kann schließlich nicht Urlaub machen und gleichzeitig das Wichtigste im Leben versäumen.

Und das Wichtigste war heuer, ganz nüchtern betrachtet, gar nicht so wenig los. Rund 1,25 Millionen Besucher waren da, wieder einmal, als hätte sich Niederbayern und der Rest der Republik fest verabredet. Für eine Stadt mit 50.000 Einwohnern heißt das: elf Tage lang ist jeder Straubinger rein rechnerisch von 24 Fremden umgeben. Da fragt man sich schon, wer da eigentlich zu Besuch ist und wer eigentlich daheim.

Interessant ist aber etwas anderes. Getrunken wurde heuer wieder ein bisschen weniger. 660.000 Liter Festbier, nach 680.000 im letzten Jahr, 700.000 im Jahr davor und 740.000 vor drei Jahren. Man könnte jetzt meinen, die Leute werden mäßiger. Könnte man meinen. Nur steht die Besucherzahl seit Jahren praktisch gleich, während der Bierkonsum Jahr für Jahr ein Stückchen absackt. Entweder trinkt jeder Einzelne tatsächlich weniger, oder es kommen zunehmend Leute, die eigentlich nur wegen der Steckerlfische da sind und das Bier höchstens für die Statistik mittragen. Beides würde erklären, warum die kostenlosen Trinkwasserspender heuer bei der Hitze so gut angenommen wurden. Wobei man sich schon fragen darf, ob ein Volksfest, auf dem das Wasser der heimliche Star ist, nicht langsam seinen Namen überdenken sollte.

Gegessen wurde derweil mit Ansage. 29 Ochsen sind dran geglaubt, zwei weniger als im Vorjahr, dafür aber rund 45.000 Gickerl, gut tausend mehr als 2025. Der Ochse verliert also an Boden, das Hendl gewinnt dazu. Wenn das kein Stimmungsbild für unsere Zeit ist. Weniger vom Großen, dafür mehr vom Handlichen, das man auch mit einer Hand essen kann, während man in der anderen die Maß hält, von der es ja, siehe oben, ohnehin weniger geworden sind.

Eine persönliche Anmerkung sei dem Vogel gestattet, weil sie ihm wirklich naheging: Das Irlbacher Festbier ist heuer zum letzten Mal ausgeschenkt worden. Da kann man noch so viel über sinkende Literzahlen räsonieren, das hier war keine Statistik, das war ein Abschied. Man sitzt elf Tage lang mit einem Bier, das man kennt wie den eigenen Nachbarn, und auf einmal heißt es, das war's. Der Vogel hat sich seine letzte Maß dieses Jahres jedenfalls mit der gebotenen Andacht genehmigt.

Die Polizei war unterdessen sehr zufrieden, und Straubings Polizeichef sagte sinngemäß, die starke Präsenz zahle sich aus, weil man Auseinandersetzungen so schnell unterbinden könne. Das ist natürlich richtig, und trotzdem bleibt es eine schöne Volksfest-Logik: Man schickt viele Beamte hin, damit möglichst wenig passiert, und wenn dann wenig passiert, gilt das als Beweis, dass man genug Beamte geschickt hat. Auf die Idee muass ma erst amoi kommen, dass ein ruhiges Fest der beste Beleg für die eigene Notwendigkeit ist.

Kurios war höchstens der Diebstahl gleich zu Beginn, als Betrunkene einer Geisterbahn ein drei Meter langes Krokodil mitgehen ließen. Man stelle sich das vor: Da steht einer volltrunken vor einem Plastikkrokodil und denkt sich, genau das brauch ich jetzt. Nicht die Breze, nicht den Schlüsselanhänger, das Krokodil. Da hätte selbst der Karl Valentin nicht mehr nachhelfen müssen, die Pointe liefert sich von selbst.

Zum Schluss noch Regen und Gewitter, nach tagelanger Hitze, quasi als hätte der Himmel auch noch mitfeiern wollen, bevor der Vorhang fällt. Der Oberbürgermeister hat den ehrenamtlichen Helfern gedankt und von einer kollektiven Auszeit gesprochen, die jetzt eben endet. Und die Vorbereitungen fürs nächste Jahr, am 13. August 2027, laufen angeblich schon. Ja mei, so ist das halt mit den schönen Dingen. Kaum vorbei, schon wieder im Kalender.

Der Vogel jedenfalls fliegt jetzt ausgnüchtert zurück nach Straßkirchen. Dort wartet das eigentliche Leben, mit Feuerwehrhaus, Stammtisch und den kleinen Geschichten, die kein Statistiker je erfasst. Schau ma moi, was das Dorf so zu erzählen hat.

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