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Mehr als Blaulicht und Martinshorn – die Freiwillige Feuerwehr Straßkirchen im Porträt
Wenn in Straßkirchen die Sirene heult oder der Funkmeldeempfänger piepst, dann wissen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Straßkirchen: Jetzt zählt jede Minute. Was viele Bürgerinnen und Bürger jedoch nicht sehen, ist das, was hinter den Einsätzen steckt. Hinter jedem Alarm stehen Menschen, die ihre Freizeit opfern, regelmäßig üben, Verantwortung übernehmen und rund um die Uhr bereit sind, anderen zu helfen.
Die Freiwillige Feuerwehr Straßkirchen wurde im Jahr 1878 gegründet und gehört seit fast eineinhalb Jahrhunderten fest zum Ortsbild der Gemeinde. Was damals mit wenigen engagierten Bürgern begann, ist heute eine moderne Feuerwehr mit rund 290 Mitgliedern, 72 aktiven Feuerwehrdienstleistenden und einer starken Gemeinschaft, die weit über den eigentlichen Einsatzdienst hinausgeht.
Im Gespräch mit neunvierdrei.de geben der 1. Kommandant Matthias Michl und der 1. Vorstand Michael Bugl einen Einblick in die Arbeit der Feuerwehr und zeigen, dass die Feuerwehr weit mehr ist als Blaulicht, Martinshorn und Feuerwehrauto.

Feuerwehr ist nicht gleich Feuerwehr
Wenn von „der Feuerwehr“ gesprochen wird, denken die meisten Menschen zuerst an die aktiven Einsatzkräfte. Tatsächlich besteht die Feuerwehr jedoch aus zwei Bereichen: dem aktiven Feuerwehrdienst und dem Feuerwehrverein.
Der aktive Teil erfüllt eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Die Feuerwehr sorgt dafür, dass den Bürgerinnen und Bürgern im Notfall schnell und kompetent geholfen werden kann. Die Aufgaben sind dabei deutlich vielfältiger geworden als früher.
„Löschen, retten, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Dazu gehören längst nicht mehr nur Brände. Verkehrsunfälle, Türöffnungen für Polizei und Rettungsdienst, Hochwasserlagen, Unwettereinsätze, Gefahrguteinsätze also technische Hilfeleistungen gehören mittlerweile genauso zum Alltag wie die klassische Brandbekämpfung.
Oft sind die Einsatzkräfte als Erste vor Ort und übernehmen bis zum Eintreffen weiterer Rettungskräfte wichtige Aufgaben. Jeder Feuerwehrdienstleistende wird dafür umfangreich ausgebildet und regelmäßig geschult.
Aktuell leisten 72 Frauen und Männer ihren aktiven Dienst bei der Feuerwehr Straßkirchen.
Rund 290 Mitglieder stehen hinter ihrer Feuerwehr
Neben den aktiven Kräften gibt es den Feuerwehrverein, der derzeit rund 290 Mitglieder zählt. Hier engagieren sich aktive Feuerwehrleute ebenso wie Fördermitglieder und ehemalige Einsatzkräfte.
Gerade die ehemaligen Aktiven spielen eine wichtige Rolle. Viele bleiben der Feuerwehr auch nach ihrer aktiven Zeit verbunden und unterstützen den Verein weiterhin bei Veranstaltungen, Festen oder organisatorischen Aufgaben.
„Auf unsere älteren Mitglieder können wir uns immer verlassen“, betont Michael Bugl. „Darauf sind wir wirklich stolz.“
Der Feuerwehrverein sorgt dafür, dass das Gemeinschaftsleben funktioniert. Er organisiert Versammlungen, Feste und Veranstaltungen und unterstützt gleichzeitig die aktive Wehr sowie die Jugendarbeit finanziell und organisatorisch.
Kameradschaft als Fundament
Wer die beiden Verantwortlichen sprechen hört, merkt schnell, dass es bei der Feuerwehr um weit mehr geht als um Technik und Einsätze.
Ein Begriff fällt immer wieder: Kameradschaft.
Im Einsatz muss sich jeder auf den anderen verlassen können. Gerade bei gefährlichen Situationen oder Einsätzen unter Atemschutz ist Vertrauen unverzichtbar. Doch diese Kameradschaft endet nicht mit dem Einsatz.
Viele Freundschaften entstehen innerhalb der Feuerwehr und bestehen oft ein Leben lang. Man hilft sich gegenseitig, unterstützt sich auch privat und zieht gemeinsam an einem Strang.
„Es funktioniert nur miteinander“, bringt es Matthias Michl auf den Punkt.
Diese Haltung prägt die Feuerwehr Straßkirchen seit vielen Jahren. Entscheidungen werden gemeinsam getragen, Verantwortung wird verteilt und jeder Einzelne ist ein wichtiger Teil des Ganzen.
Nachwuchsarbeit trägt Früchte
Besonders erfreulich ist die Situation beim Nachwuchs.
Aktuell befinden sich noch drei Jugendliche in der Jugendfeuerwehr. Der Grund dafür zeigt, wie erfolgreich die Nachwuchsarbeit in Straßkirchen funktioniert: Die bisherige Jugendgruppe hat ihre Grundausbildung erfolgreich abgeschlossen und ist bis auf drei Jugendliche vollständig in den aktiven Feuerwehrdienst übernommen worden.
Die drei verbliebenen Jugendlichen haben ihre Ausbildung bereits erfolgreich abgeschlossen, das 18. Lebensjahr jedoch noch nicht erreicht. Sobald sie volljährig sind, werden auch sie in den aktiven Feuerwehrdienst übernommen.
Aus diesem Grund wird bereits die nächste Jugendgruppe geplant.
Für die Verantwortlichen ist die Jugendarbeit einer der wichtigsten Bausteine für die Zukunft der Feuerwehr. Hier lernen junge Menschen nicht nur die Grundlagen des Feuerwehrdienstes, sondern auch Teamgeist, Verantwortung und Zusammenhalt.
Gleichzeitig bietet die Feuerwehr einen Ort, an dem Freundschaften entstehen und Jugendliche Gemeinschaft erleben können. Gerade in einer Zeit, in der Vereine und Ehrenamt vielerorts Nachwuchssorgen haben, ist das ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Die Aufgaben verändern sich
Auch die Feuerwehr selbst hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert.
Während früher Brände einen großen Teil der Einsätze ausmachten, dominieren heute immer häufiger technische Hilfeleistungen. Verkehrsunfälle, Unwetterschäden, vollgelaufene Keller oder umgestürzte Bäume beschäftigen die Feuerwehren zunehmend.
Die Gründe dafür liegen unter anderem in besseren Brandschutzmaßnahmen, moderner Fahrzeugtechnik und veränderten Wetterlagen.
Dennoch bleibt die Feuerwehr für sämtliche Einsatzarten vorbereitet. Regelmäßige Übungen und Ausbildungen sorgen dafür, dass die Einsatzkräfte jederzeit handlungsfähig sind.
„Man hofft immer, dass nichts passiert. Aber wenn etwas passiert, dann wollen wir helfen können“, beschreibt Matthias Michl die Motivation vieler Feuerwehrleute.
Moderne Feuerwehr braucht moderne Ausstattung
Eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre wird die weitere Modernisierung der Feuerwehr sein.
Feuerwehrfahrzeuge haben eine Nutzungsdauer von rund 25 bis 30 Jahren. Entsprechend aufwendig sind Planung, Ausschreibung und Beschaffung neuer Fahrzeuge.
Mehrere Jahre vergehen oft von den ersten Planungen bis zur Auslieferung eines neuen Einsatzfahrzeuges. Dabei geht es nicht um Luxus, sondern um Sicherheit für die Bevölkerung.
„Die Fahrzeuge werden nicht für die Feuerwehr beschafft, sondern für die Bürgerinnen und Bürger. Wir nutzen sie, um unsere Aufgaben erfüllen zu können“, erklärt Matthias Michl.
Ein weiteres wichtiges Thema ist das Feuerwehrhaus. Das Gebäude wurde 1982 errichtet und entspricht nach Ansicht der Verantwortlichen inzwischen nicht mehr vollständig den heutigen Anforderungen.
Mehr Personal, zusätzliche Fahrzeuge und neue Vorschriften führen dazu, dass Platz und Infrastruktur zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Auch dieses Thema wird die Gemeinde in den kommenden Jahren beschäftigen.
Blick auf das Jubiläumsjahr 2028
Ein besonderes Ereignis wirft bereits heute seine Schatten voraus.
Im Jahr 2028 feiert die Freiwillige Feuerwehr Straßkirchen ihr 150-jähriges Gründungsfest.
Seit rund einem Jahr laufen die Vorbereitungen für das große Jubiläum. Ein Festausschuss wurde gegründet und arbeitet intensiv an den Planungen. Zahlreiche organisatorische und behördliche Aufgaben müssen bewältigt werden, lange bevor die ersten Gäste das Festgelände betreten.
Als Patenverein wird die Freiwillige Feuerwehr Paitzkofen die Straßkirchner Wehr begleiten.
Viele Details sollen erst bekanntgegeben werden, wenn Verträge und Planungen abgeschlossen sind. Schon jetzt ist jedoch spürbar, wie sehr sich die Mitglieder auf dieses Jubiläum freuen.
Denn ein 150-jähriges Gründungsfest ist weit mehr als ein Festwochenende. Es ist ein Stück Geschichte, gelebte Tradition und ein Ausdruck dessen, was Generationen von Feuerwehrleuten über Jahrzehnte aufgebaut haben.
Mitmachen ist jederzeit möglich
Die Feuerwehr Straßkirchen lebt vom Engagement ihrer Mitglieder. Deshalb freuen sich die Verantwortlichen jederzeit über Menschen, die Teil der Feuerwehrgemeinschaft werden möchten.
Wer aktiv helfen und im Einsatzdienst mitwirken möchte, kann sich der aktiven Feuerwehr anschließen. Die notwendige Ausbildung wird Schritt für Schritt innerhalb der Feuerwehr vermittelt.
Jugendliche sind in der Jugendfeuerwehr herzlich willkommen und erhalten dort die Möglichkeit, früh Verantwortung zu übernehmen und Teil einer starken Gemeinschaft zu werden.
Aber auch wer keinen aktiven Dienst leisten möchte, kann die Feuerwehr unterstützen. Als Fördermitglied trägt man dazu bei, die Vereinsarbeit, die Jugendarbeit und zahlreiche Veranstaltungen zu ermöglichen.
„Bei uns ist jeder willkommen“, betonen Matthias Michl und Michael Bugl. „Egal ob als aktives Mitglied, in der Jugendfeuerwehr oder als Fördermitglied. Die Feuerwehr lebt von Menschen, die gemeinsam etwas für ihre Gemeinde tun wollen.“
Ein Stück Sicherheit für Straßkirchen
Rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, steht die Freiwillige Feuerwehr Straßkirchen bereit.
Die Bürger sehen meist nur den Einsatz. Dahinter stehen jedoch unzählige Stunden Ausbildung, Übungen, Jugendarbeit, Vereinsarbeit und ehrenamtliches Engagement.
Deshalb wünschen sich Matthias Michl und Michael Bugl vor allem eines: Verständnis, Unterstützung und Wertschätzung für die Arbeit der Feuerwehr.
Denn egal ob bei einem Brandeinsatz, einem Verkehrsunfall, einem Unwetter oder bei einer Veranstaltung im Dorf, die Feuerwehr ist da, wenn sie gebraucht wird.
Und genau deshalb ist sie weit mehr als Blaulicht und Martinshorn. Sie ist seit 1878 ein unverzichtbarer Teil des gesellschaftlichen Lebens in Straßkirchen und wird dies auch in Zukunft bleiben.



Bilder: FFW Straßkirchen